Der
erste Hund trat in mein Leben als ich 4 Jahre alt war. Nera (1971
- 1981) war ein überzähliger Welpe von einem Hof, irgend ein Dt. Schäferhund
wird wohl auch noch mitgemischelt haben. Sie war meine erste kynologische
Lehrerin. Eine der vielen Anekdoten sei hier erzählt: Es war auf einem
der unzähligen Sonntagsspaziergänge mit meinen Geschwistern und meinem
Vater. Unser Weg führte an einem Bauernhof vorbei, wo Nera die Hofhühner
entdeckte und diesen nachjagte. Ich fand das total lustig anzuschauen
- bis der Bauer mit einer Mistgabel in der Hand auftauchte und seinerseits
unserem lieben Hund, der ja nur spielen wollte, nachzujagen. Sein Absichten
waren ernst, und Neras Lebensretter war dann wohl ihr Ringelschwanz,
den ich zu fassen kriegte, als sie hinter mir durchsauste. Heute halte
ich selber Geflügel und mache mir Sorgen um das Federvieh, wenn Spaziergänger
mit frei laufenden Hunden vorbei gehen...
Neras Nachfolgerin war ein Berner Senn x Collie-Mix. Mira (1981
- 1995) war der perfekte Familienhund: gelassen und freundlich zu allem
und allen (bis auf zwei Erzfeinde in ihrem ganzen Leben) machte sie
mit uns Kindern jeden Schabernack mit. Mit ihr erlebte ich meine ersten
ernsthaften Schritte in Sachen Hundeausbildung: vom Erziehungskurs für
Jugendliche (bei dem ein Kettenhalsband Pflicht (!) war) über unzählige
Tricks (sie war der erste und letzte Hund, dem ich beigebracht habe
Türen zu öffnen...) bis zu den ersten Erfahrungen, was ein Reitbegleithund
denn so alles können sollte.
Ein paar Jahre später gesellte sich Puschko (1975 - 1993) dazu:
ein Spaniel-Mix, der meiner Grossmutter gehörte und zeitlebens ihr ein
und alles war - aber leider nicht mit ins Altersheim durfte. Wär's ein
Kind gewesen, hätte man von einer verhätschelten Gross-Stadt-Göre gesprochen...
Er passte sich jedoch sehr schnell ans Landleben und die Vorrechte der
Dame Mira an. Puschko war der raffinierteste Hund den ich je erlebt
habe: Er entwickelte Strategien, welche nach gängiger Meinung und Stand
der wissenschaftlichen Erkenntnisse das Hirn eines Hundes schlichtweg
sprengen müssten. Und ein Herzensbrecher: noch mit bald 17 Jahren, volltaub
und fast blind, fragten die Leute oft: "Jö, isch das na än Jungä?"
Als Mira sechs war, ging ein Traum in Erfüllung: aus einer geplanten
Verpaarung mit einem Berner Senn x Collie x Appenzeller-Rüden, den uns
unsere Tierärztin vermittelte, fielen sechs wunderhübsche Welpen - perfekt
getimt zwischen meiner Matur und Beginn des Studiums, denn für die Betreuung
und Aufzucht dieses Wurfes war ich die Hauptverantwortliche, da ich
ja schliesslich einen der Welpen haben wollte. Mein Favorit aus dem
6er-Pack war schon nach wenigen Tagen ganz klar der kleine Rüde, den
wir "den Grünen" nannten, weil alle seine weissen Anteile im Fell durch
einen Plazenta-Farbstoff knatschgrün gefärbt waren. Nach einigem Hin
und Her bei der Welpenzuteilung wurde aus "dem Grünen" Pablo
(1987 - 2002) - mein erster eigener Hund. Ich zog mit ihm nach Bern
und war allen ernstes davon überzeugt, man könne einen Hund antiautoritär
erziehen... Das kleine freche Temeperamentsbündel belehrte mich dann
jedoch sehr schnell eines bessern - und wurde der Schlüssel zu meinem
kynologischen Werdegang: aus einer total überforderten Hundehalterin,
die sich durch sämtliche Problemhunde-Bücher gekämpft hat und unzählige
Ratschläge und Trainingsanleitungen bei diversen namhaften Kynologen
einholte, wurde ich über die Jahre selber zur Hundetrainerin. Pablo
lehrte mich unter anderem, dass vordergründig aggressiv wirkende Verhaltensweisen
im Grunde genommen meist auf Angst und Unsicherheit basieren - und dass
diesen Problemen mit Gewalt und Härte nicht nachhaltig beizukommen ist!
Nach jahrelangem "probier-mal-das" - "versuch's mal so" und aus heutiger
Sicht unzähligen Fehlern gelang mir der Durchbruch in Bezug auf Aggression
gegen Artgenossen wie auch gegen Menschen erst mit dem kennen lernen
um umsetzen des Prinzips der positiven Bestärkung. Im Gegensatz zu aversiven
Methoden macht nämlich der Hund über Clicker-Training immer nur die
Lernschritte, zu denen er momentan bereit ist. Und einen misstrauischen
Hund kann man nun mal nicht zwingen, Menschen zu lieben! Aber man kann
ihm zeigen, dass von vermeintlich lebensbedrohlichem gar keine Gefahr
ausgeht - und dass es sogar ganz angenehm sein kann, eigene Ängste zu
überwinden.
Pablo öffnete mir auch das Tor zum Hundesport: Als er schon fast vier
war, entdeckten wir Agility - und wurden sogleich von diesem unheilbaren
Virus angesteckt. Pablo war kein leicht zu führender Hund, aber hochmotiviert
- und seine Appenzeller Ahnen schlugen gut hörbar durch... Beharrlich
kämpften wir beide, wuchsen langsam zu einem Team zusammen, so dass
wir uns nach geraumer Zeit einigen konnten, in welcher Reihenfolge die
Geräte eines Parcours zu absolvieren sind. Der Gipfel unserer Agility-Karriere
waren wohl die drei Jahre mit Qualifikation für die Teilnahme an der
Schweizermeisterschaft, wobei wir's 1996 sogar bis ins Final schafften.
Als Pablo älter wurde, schaute ich mich nach einer weniger belastenden
Sportart um und entdeckte Obedience.
Mit 12 Jahren legte er zwei Obedience1-Prüfungen ab, mit 282 und 281
Punkten! Davon beflügelt wagte ich mich an die Herausforderung einer
Prüfung der Klasse 2 - Pablo war in der Zwischenzeit halb taub und sein
grauer Star deutlich fortgeschritten. Mit einem tierärztlichen Attest
bekam ich die Sondergenehmigung, für Hörzeichen eine Hirtenpfeife zu
benützen - ein paar Signale wurden noch auf Pfiff umkonditioniert und
so schaffte er mit seinen greisen bald 13 Jahren noch beachtliche 199,5
Punkte! In der Zwischenzeit war wieder ein Hund dazu gekommen: mit fast
4 Jahren konnte ich endlich Kira (*1997) übernehmen. Zuvor durfte
sie mich schon ein Jahr lang ins Agility-Training, zu gewöhnlichen Spaziergängen
oder zu einem Ausritt begleiten und verbrachte auch mal Ferien bei mir.
Kira ist eine ausgesprochen hübsche Australian Shepherd Hündin, was
sie auch zu wissen scheint - eine richtige Lady, die sich niemals in
irgendwas Stinkendem wälzen würde und um jede noch so kleine Wasserlache
einen grossen Bogen macht. Sie liebt Gesellschaft und Menschen (oder
zumindest den Inhalt ihrer Taschen), steht gerne im Mittelpunkt und
wirkt überhaupt so nett und brav, dass man sich gar nicht vorstellen
kann, was für eine Hexe in ihr steckt, wenn man ängstlichen Hunden begegnet...
Sie lehrte mich, wie wichtig für gewisse Hunde der Unterschied zwischen
"zugehörig" und "fremd" ist!
Im Hundesport war sie für mich nach dem Draufgänger Pablo geradezu ein
Erholung. Sie will alles richtig machen, also im Zweifelsfall lieber
nichts machen als etwas Falsches. So wurden im Agility v-Läufe die Regel,
éliminé gab's äusserst selten mal, aber ab der Klasse 2 meist Überzeit...
Im Obedience schaffte sie es bis zu einem v AKZ mit 264 Punkten in der
Klasse 1. Damit war jedoch ihr sportliches Leistungspotential ausgeschöpft.
Mit ihrem Charme beflügelte Kira den greisen Pablo in seinem letzten
Lebensjahr und weckte in ihm nochmals richtige Frühlingsgefühle. Sein
Abschied schmerzte sehr. Er hatte mich durch 15 bewegte Jahre meines
Lebens begleitet, zusammen gingen wir buchstäblich durch dick und dünn.
Ein gutes Jahr später machte ich mich auf die Suche nach einem Aussie,
wie ich ihn mir aus der mittlerweile gierig verschlungenen Literatur
vorstellte - eine Suche, die immer weitere Kreise zog und in den USA
bei Starstuff
Working Aussies zum Ziel führte: am 5. Mai 2004 wurde Mae
geboren, die ich anhand von Fotos auswählen musste, da Welpen dieser
Rasse in den USA ja noch immer standardmässig kupiert werden. Als ich
in die Staaten flog um Mae abzuholen und die ganze Rasselbande erstmals
live erlebte, hätte ich auch zu diesem Zeitpunkt genau diese kleine
Rote mit ihrem speziellen Schalk in den Augen gewählt. Mae ist ein Arbeitshund
durch und durch, ein Hund, der gerne rennt, einfach weil's Spass macht
und bei jeder Aktivität sofort mit dabei ist - mit allen Vor- und Nachteilen
für Ausbildung, Sport und Alltag. Ihr kleines, junges Hirn saugte Neues
auf wie ein ausgetrockneter Schwamm. Ganz ruhig und konzentriert wenn
ihr Neues gezeigt wird, ist sie schneller unterwegs und in Aktion als
ihr Hirn denken kann, wenn sie glaubt zu wissen, worum es geht - eine
echte Herausforderung im Alltag wie auch im Sport! Zum Glück habe ich
mich schon zu Pablos Zeiten mit Stress-Management angefangen auseinanderzusetzen
- ein Glück für Mae, dass ich dieses Wissen bei ihr von Anfang
an in die Ausbildung wie auch im Alltag einfliessen lassen konnte!
Highlights:
Im Sommer 2008 hat Mae ihre ASCA-Hütetitel an Enten, Schafen und
Rindern in der Klasse "started" erreicht und trägt somit
den Titel STDsdc.
Im Agility schafft Mae Ende Juni 2009 den Sprung in die Klasse 3.
Am 16. Mai 2010 erreicht Mae mit 277 Punkten v AKZ den Einzug in die
Klasse OBE 3.
redE ist da! Am 15 Juni 2010 war es endlich so weit:
unser Mädels-Betrieb hat Zuwachs bekommen. Die kleine Charme-Attacke
ist am 10. April 2010 bei Lakewater
Aussies zur Welt gekommen und da zusammen mit ihren acht Geschwistern
liebevoll aufgezogen worden - vielen Dank Nicole und allen zwei- und
vierbeinigen Helfern: da habt ihr super Arbeit geleistet! Auf der Lakewater-HP
finden sich viele weitere Infos, Fotos und sogar Videos. Und hier entsteht
redE's eigenes
Fotoalbum.